Umva!

Umva Silbersee c Anne van Zantwijk 40
Umva!
Zeit Sonntag 03. Dezember 2023
18:00 – 19:00
Venue Rote Fabrik Zürich / Aktionshalle
Seestrasse 395
8038 Zürich
Genre Performance
Teilnehmende
  1. Aurélie Nyirabikali Lierman
  2. Silbersee
Beschreibung

Veranstaltung in englischer Sprache

Geeignet für alle, die gern 60 Minuten sitzen, lauschen und mit den Ohren reisen.

Barrierefreiheit: Rollstuhlgängig

Programm

Silbersee & Aurélie Nyirabikali Lierman – Performance

Aurélie Nyirabikali Lierman: «Umva!» (2023) für sechs Performer:innen

Nachgespräch im Anschluss an die Performance.

Beschreibung

Kanyoni Ladislas wurde 113 Jahre alt. Als Heiler, Kuhhirte und Jäger durchlebte er überein Jahrhundert der bewegten Geschichte von Rwanda am Fuss des Vulkans Karisimbi, im Norden des Landes. Seine Enkelin Aurélie Nyirabikali Lierman nimmt uns in «Umva!» mit an diesen Ort. In einer Collage aus Storytelling, Musik, Tanz und Originalaufnahmen lässt die Journalistin und Komponistin einen Tagesablauf in Ladislas’ Dorf vor dem inneren Auge entstehen und erzählt in liebevollen Anekdoten von einem eindrücklichen Menschen, der Generationen weit über sein Umfeld hinausgeprägt hat.

Kooperation: Rote Fabrik Zürich

Beschreibung

Aurélie Nyirabikali Lierman: «Umva!» (2023) für sechs Performer:innen

Eli Mathieu Bustos, Raphaela Danksagmüller, Maya Felixbrodt, Aurélie Nyirabikali Lierman, Yung-Tuan Ku, Kaito Winse – Performance
Niels Kingma – Licht
Stefan Bos - Sound & technische Koordination
Sarah Mulder - Produktion
Romain Bischoff – musikalische Dramaturgie

Aurélie Nyirabikali Lierman, Komponistin, Klangkünstlerin und Radiojournalistin, verwendet «Klang» gerne als die umfassendste Art, Musik zu betrachten: indem sie nicht nur darüber nachdenkt, wie zum Beispiel eine Geige oder ein Klavier «Klang» erzeugt, sondern vielmehr jedes Ereignis in der Welt als potenzielles musikalisches Erlebnis oder Ereignis versteht. In diesem Sinne kann für Lierman «Musik» sowohl die Klanglandschaft ihrer Kindheit im belgischen Brügge sein wie auch jene der ruandischen Virungaberge – der Region, in der sie geboren wurde, und in der ihr Grossvater Kanyoni Ladislas 113 Jahre lang gelebt hat. Von ihm handelt die Performance «Umva!» (Kinjaruanda für «Hör zu!»), die in diesem Jahr beim SONIC MATTER Festival zu Gast ist.
Ladislas gehörte nicht nur zu den ältesten Menschen, die jemals auf diesem Planeten gelebt haben, und verkörperte damit buchstäblich über ein Jahrhundert der wechselvollen Geschichte seines Heimatlandes. Er war auch einer der letzten traditionellen Jäger und Heiler von Ruanda. Die Menschen reisten mitunter 100 km zu Fuss, um von ihm behandelt zu werden. In seiner Jugend unternahm Ladislas ausgedehnte Wanderungen in die dicht bewaldeten subalpinen Hänge der Virungaberge, um zu jagen und Zutaten für seine Medizinen zu sammeln. Dabei überquerte er nicht selten die Grenze zur Demokratischen Republik Kongo - eine Grenze, die in seinen Augen nie wirklich existierte.
Bei Familienbesuchen, die Lierman in den letzten zwei Jahrzehnten nach Ruanda unternahm, entspannen sich zahlreiche Gespräche mit ihrem Grossvater über dessen Vergangenheit, in denen sie einen Eindruck von der einzigartigen menschlichen Erfahrung erhielt, die mit einem derart hohen Alter wie dem seinen einhergeht. Zugleich waren ihre Reisen der Ausgangspunkt für eine fortlaufenden Erforschung der Klanglandschaft des städtischen wie ländlichen Ostafrikas im Allgemeinen und der Virungaregion im Besonderen. Viele von Liermans Werken sind von diesen Reisen inspiriert und geben ihr Gelegenheit, ihren Hintergrund als Radiojournalistin in ihre kompositorische Arbeit einfliessen zu lassen. Akustische Musik kombiniert sie mit Elektronik und macht regelmässig Field Recordings, ihr Schaffen reicht von von abstrakter Elektronik bis hin zu sehr feinen poetischen Linien. Dabei gilt ihr besonderes Interesse der Frage, wie sie all diese Elemente zusammenbringen und in immersive Musikerlebnisse überführen kann.
Ihre eigene Perspektive auf den afrikanischen Kontinent und Ruanda unterzieht Lierman einem fortlaufenden Reflexionsprozess. Dazu gehört auch die Hinterfragung und Definition ihrer Position im Kontext der afrikanischen und europäischen Konzertmusik. Einen Grossteil ihrer Klangforschung und Arbeit stellt sie unter den Oberbegriff «Afrique Concrète» und reiht damit einige ihrer Schlüsselwerke bewusst in die Nachkommenschaft der Musique Concrète ein. Die Frage, wie kontrastreiche Musikkulturen zusammenkommen und zu einer Einheit verschmolzen werden können, hat sie schon immer fasziniert – insbesondere in Hinsicht auf das Aufeinandertreffen von klassischer westlicher mit traditioneller afrikanischer Musik. Alle aktuellen und geplanten Projekte von Lierman drehen sich um diese spezielle künstlerische Suche, die wahrscheinlich ihr Lebensprojekt ist: herauszufinden, wie diese neue hybride und bikontinentale experimentelle Form möglich gemacht werden kann.

Photo Credit Anne van Zantwijk
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