SIGNALS IN NOISE

Rama Screenshot 1
SIGNALS IN NOISE
Zeit Donnerstag 26. Februar 2026
19:00 – 22:00
Venue Rote Fabrik Zürich / Aktionshalle
Seestrasse 395
8038 Zürich
Genre Konzert
Teilnehmende
  1. The Six Tones
  2. Ensemble Vortex
  3. Romane Bouffioux
  4. Henrik Frisk
  5. Rama Gottfried
  6. Richard Karpen
  7. Anna Korsun
  8. Eva Reiter
  9. Daniel Zea
Programm

AUF DER BÜHNE

Ensemble Vortex: Anne Gillot – Paetzold-Flöte / Bassklarinette, Romane Bouffioux – Schlagzeug, Rada Hadjikostova – Violine, Benoît Morel – Viola, Aurélien Ferrette – Cello, Arturo Corrales – Klangregie / Live-Elektronik

The Six Tones: Nguyễn Thanh Thủy – Đàn Tranh / Performance, Ngô Trà My – Đàn Bầu, Stefan Östersjö – Gitarren, Henrik Frisk – Saxofon / Elektronik, Marie Fahlin – Choreografie «Đào Tam Xuân», Jörgen Dahlqvist – Video «Đào Tam Xuân»

PROGRAMM

Daniel Zea: «Desplazados» (2016)
The Six Tones / Traditional: «Dạ Cổ Hoài Lang» (2026)
Anna Korsun: «Sottilissime» (2019)
Richard Karpen / The Six Tones: «Đào Tam Xuân» (2013)
Rama Gottfried: «Apophänie» (2016 / 17)
Eva Reiter: «Tourette» (2008)
Henrik Frisk: «Drinking» (2014)
Romane Bouffioux: «Audible Survie Méditative Rasante (asmr)» (2023)
The Six Tones/Traditional: «Hề Mồi» (2026)

Beschreibung

Die BIOGRAFIEN DER KÜNSTLER:INNEN gibt es unter diesem Link.

Die WERKKOMMENTARE gibt es weiter unten auf dieser Seite.

Die Eröffnung des SONIC MATTER Festivals 2026 lädt dazu ein, sich einen Abend lang durch einen Strom wandelbarer Welten tragen zu lassen. Zu Gast sind das Genfer Ensemble Vortex und das schwedisch-vietnamesische Quartett The Six Tones. Beide widmen sich seit rund 20 Jahren dem Experiment mit der eigenen Musiktradition und nehmen dabei immer wieder den Zeitgeist unter die Lupe. «Signals In Noise» ist eine Reise durch dessen Doppelbödigkeiten: Das Programm erkundet mit insgesamt acht Stücken virtuelle Fluchtrouten, an deren Ende reale Menschen stehen, ebenso wie die Veränderlichkeit von Rollenbildern, die Verheissungen und Absurditäten des Wellness-Kults sowie düsteren Zeichen, die sich am Ende in Luft auflösen.


TICKETS

35 / 45 / 25 – Legi 15 CHF

INFO & BARRIEREFREIHEIT

Die Veranstaltung kann zu jeder Zeit verlassen und wieder betreten werden.

Es gibt Passagen mit besonders lauten Momenten und schnellen Lichtwechseln.

Die Rote Fabrik Zürich / Aktionshalle ist rollstuhlgängig.


KOOPERATION

Rote Fabrik Zürich

Programm

WERKKOMMENTARE


Daniel Zea: «Desplazados» (2016)
für vier bis fünf Performer:innen, Computer, verstärkte Rettungsdecken, MIDI-Drum-Pads, Elektronik und Echtzeit-Videoprojektion

Ich hatte zwei ästhetische und politische Beweggründe für die Komposition dieses Werks: Migrant:innen und die Entfremdung des zeitgenössischen Individuums durch die Technologie. Die Rettungsdecke – Klangquelle und Musikinstrument zugelich – ermöglicht es, ein fragiles Bild zu schaffen. Ein Spiegelbild der «Migrant:innen», eine einhüllende Musik, eine Choreografie der Erschütterungen. Die Transformation des Klangs der Rettungsdecken schafft eine musikalische Entwicklung, die von einem Flüstern ausgeht und allmählich zu eindringlichen Klangmassen führt, die an Wasser, Katastrophen und Notfälle erinnern.
Ein mehrdeutiges Bild: Soll man sich in die Lage der Migrant:innen versetzen? Oder soll man sich bewusst werden, dass wir bereits dabei sind, unsere eigene Zivilisation aufzugeben? Der Mensch am Rande der Katastrophe bleibt hilflos, wie in Trance vor der Maschine. Es gibt keinen Kontakt mehr zwischen den Menschen, die einzige Verbindung, die bleibt, ist die Körpertemperatur und die Kontrolle, der sie unterliegen. Eine Gruppe von Verrückten, die sich nach den Anweisungen ihrer Computer bewegen und unter ihren Decken schwitzen.
Neben den Klängen gibt es das Spiel der Bilder, das am Höhepunkt des Werks erscheint. Überlebende zittern. Ihre Gesichter werden überwacht, gefilmt und plötzlich in einem schwindelerregenden Strom hinter ihnen wiedergegeben. Das erinnert an die Bilderflut in unserer heutigen Welt, in der alles gefilmt wird, in der Zeitlichkeit ständig manipuliert, aufgezeichnet, reproduziert und geteilt wird, bis sie viral geht. Eine Inszenierung der obszönen Seite des Bilder. – Daniel Zea


The Six Tones / Traditional: «Dạ Cổ Hoài Lang» (2026)
Richard Karpen / The Six Tones: «Đào Tam Xuân» (2013)
The Six Tones/Traditional: «Hề Mồi» (2026)

The Six Tones präsentieren eine Reihe von Kompositionen und Improvisationen, die sich mit traditioneller vietnamesischer Musik und Theater auseinandersetzen. Am Eröffnungsabend des SONIC MATTER Festivals führt das Ensemble unter anderem «Đào Tam Xuân» auf – ein Werk, das ursprünglich für einen Tanzfilm aus dem Jahr 2013 geschaffen wurde und für Live-Performance mit Solotänzerin, Video, Ensemble und Elektronik neu arrangiert wurde. Das Stück greift auf das vietnamesische Tuồng-Theater zurück, in dem die Geschichte einer Generalin dem Originalstück eine proto-feministische Dimension verleiht. Durch einen dekonstruktivistischen Ansatz verwandeln The Six Tones die strukturellen Prinzipien der vietnamesischen Musik – wie Vibrato-Arten oder die besondere Intonation in einem bestimmten Modus – in kompositorische Parameter und versuchen so, diesen alten Traditionen neues Leben einzuhauchen.


Anna Korsun: «Sottilissime» (2019)
für singendes Streichtrio

Eine feinfühlige Kontemplation über leise Klänge und das Zuhören.


Rama Gottfried: «Apophänie» (2016/17)
für Video-Puppen-Instrument

«Apophänie» bezeichnet die Tendenz des menschlichen Geistes, in zufälligen Daten Muster zu erkennen. Das kann so harmlose Wahrnehmungen bedeuten wie das Erkennen von Formen in Wolken, aber auch die Form einer wahnhaften Psychose annehmen, bei der Zusammenhänge in Ereignissen gesehen werden, die möglicherweise gar nichts miteinander zu tun haben. In «Apophänie» werden wir in eine Performance-Umgebung eingeführt, die aus mehreren Bewegungsebenen in unterschiedlichen Massstäben besteht. Lebensgrosse Performer:innen auf der Bühne sind mit biologischen Wesen verbunden, die in einem mikroskopischen Theater auftreten. Das Geschehen findet direkt vor unseren Augen statt, ist jedoch knapp ausserhalb unseres Blickfeldes und nur durch unvollständige, angedeutete Informationen von der Bühne sowie durch die digitale Tonverstärkung und Videoprojektion wahrnehmbar.
Durch den Wechsel zwischen einer Reihe kontrastierender Blickwinkel in der pseudo-organischen Miniaturumgebung entsteht eine Erzählung zwischen den mikroskopisch kleinen Wesen. Die Organismen der Miniaturwelt von «Apophänie» werden innerhalb des virtuellen Ökosystems geboren, mutieren, werden absorbiert und verzehrt. Sie sind künstliche Bestandteile des Video-Instrumenten-Apparats, doch sie sind lebendig, zum Leben erweckt durch die klangliche Organisation und die Gesten der Performer:innen. Die Partitur des Stücks reflektiert musikalisch über die Lebensformen, die in den physischen Materialien erscheinen, doch das Material ist instabile organische Substanz – um die im Material verborgenen Wesen zu entdecken, müssen die Darsteller:innen die Zusammenhänge und sich abzeichnenden Muster in einem sich ständig verändernden Feld von Interaktionen erkennen. Hinter einer Oberfläche aus halbabstrakten Vignetten verbirgt sich eine dramatische Form, doch Stück für Stück wird die Handlung offenbart, und am Ende zeigt sich ein übergreifendes Kontrollsystem.


Eva Reiter: «Tourette» (2008)
für Paetzold-Kontrabassblockflöte und Tape (2008)

Ein Virtuoser Parforceritt für eine selten erklingendes Instrument.


Henrik Frisk: «Drinking» (2014)
für The Six Tones

«Drinking» baut auf einem Konzept von Bill Brooks und «A Drinking Song» von W. B. Yeats auf: «After Yeats» ist keine Partitur für eine Aufführung, sondern eher eine Methode zur Erstellung einer Partitur; es überträgt W. B. Yeats’ Methode der poetischen Deklamation auf andere Sprachen als Englisch. «After Yeats» beschreibt eine Zusammenarbeit zwischen einem Performer und einem Komponisten. Der Performer trägt ein Gedicht von Yeats in Übersetzung vor und begleitet sich dabei selbst auf einem Zupfinstrument. Der Komponisten beobachtet und verstärkt aus der Distanz die Deklamation und ihre Wirkung. «Drinking» ist ein eigenständiges Beispiel für die Metakomposition «After Yeats».


Romane Bouffioux: «Audible Survie Méditative Rasante (asmr)» (2023)

für drei Performer:innen

Ich bin fasziniert von ASMR (Autonomous Sensory Meridian Response). Sie ist faszinierend, weil sie so seltsam ist wie ein Film, der einen in seinen Bann zieht, aber zugleich Unbehagen auslöst. Haben Sie sich schon einmal auf YouTube die schiere Anzahl an Videos über ASMR und die Millionen von Aufrufen angesehen, die sie erzielen? Alles kann ASMR sein, man bewegt sich von einem Extrem zum anderen, «vom Huhn zum Esel», wie wir auf Französisch sagen: Tutorials für Tattoo-Make-Up, Videos, die beim Einschlafen helfen, Geschichtsunterricht, Arztbesuche, Produkt-Unboxings, Friseurtermine ... Kurz gesagt, es ist für jeden Geschmack etwas dabei.
All diese interessanten und fesselnden Elemente sind in das Stück eingeflossen: natürlich der Klang – diese extrem nah aufgenommene Verstärkung, die jedes Geräusch zu einem besonderen Erlebnis macht –, aber auch die Sprache, die Gesten und die Absurdität und Unverständlichkeit bestimmter Situationen und Fantasien.

stream
Links
  1. YouTube Ensemble Vortex
  2. The Six Tones «Signal in Noise»
  3. SoundCloud Romane Bouffioux
  4. Playlist Henrik Frisk
  5. SoundCloud Anna Korsun
  6. SoundCloud Eva Reiter
  7. YouTube Daniel Zea
Photo Credit Video-Still: Rama Gottfried «Apophänie» feat. Ensemble Vortex
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