
| Meet the Artist / Rethreading Weaves | |
|---|---|
| Zeit |
Samstag 01. Februar 2025
13:30 – 14:00 |
| Venue |
Kunstraum Walcheturm
Kanonengasse 20 CH-8004 Zürich |
| Genre | Video Lounge |
| Teilnehmende | |
| Beschreibung | Geeignet für alle, die gern eine Weile entspannen, schauen und lauschen und sich das Trommelfell massieren lassen. Rollstuhlgängig |
| Programm | Meet the Artist Sarina Panahideh, Raz Karaman und Niga Salam präsentieren im Künstlerinnengerpäch ihre Arbeit. – – – Video Lounge «Rethreading Weaves» Tickets für das «Meet the Artist» sind auch gültig für «Rethreading Weaves & 50 Hertz» und «Recyclinghof für gefundene Klänge». |
| Programm | GEDANKEN DER KURATORIN ZUR VIDEO LOUNGE «RETHREADING WEAVES» Der gemeinsame thematische Nenner von «Rethreading Weaves» ist der Faden als Material. Dieser Schwerpunkt speist sich aus meinen eigenen Erfahrungen mit dem Material und mit Handarbeitstechniken. Die Fäden stehen für eine Linie, die mich mit meiner Mutter und meine Mutter mit ihrer Mutter verbindet. Fäden und Schnüre werden seit langem von Frauen eingesetzt, um Dinge zu reparieren und auszubessern. Dinge, die übersehen werden. Gelegentlich beschleicht mich der Eindruck, dass Frauen in der Kunst und Kunstwerke, die das Frausein thematisieren, in der gleichen Rolle wie diese Fäden wahrgenommen werden. Als wären sie da für die Dinge, die man «in Angriff nehmen» muss. In meiner Kultur war Wiederverwertung von Materialien eine Praxis, die von Frauen gepflegt wurde. Bei meiner Grossmutter gab es nie Abfall. Alles fand in alltäglichen Dingen neue Verwendung. Die Verbindung zum Frausein ergab sich in der Auswahl der Werke für diese Ausstellung intuitiv. Sie alle verwenden Fäden auf unterschiedliche Weise als Gesten. Mit der Auswahl von Werken kurdischer Frauen möchte ich Kunst sichtbar machen, die ich als stark und zugleich übersehen empfinde. Ich will dem Publikum neue Dimensionen eröffnen, um Debatten über Kunst mit unterschiedlichen Hintergründen anzustossen, die sich zu neuen Ideen und Dialogen entwickeln können. Dieser Austausch kommt bei SONIC MATTER durch meine Rolle als Gastkuratorin besonders zum Tragen und ich finde es wichtig, diese Gelegenheit zu ergreifen, meine Perspektive einzubringen. Die ausgewählten Werke arbeiten mit Klang, kommen aber sichtlich von anderen Medien wie Animation, Tanz und Performance. Das ist mir wichtig zu erwähnen, weil ich bei der Zusammenstellung der Werke damit experimentiert habe, ihre verschiedenen Medien in einem Raum verschmelzen zu lassen. Es soll schwierig sein, die Medien voneinander abzugrenzen. Man soll die Kunst erleben können, wie sie ist, sie in ihrer Tiefe erforschen können, jenseits der Annahmen, die wir mit einem bestimmten Medium verbinden. Künstlerinnen mit unterschiedlichen Ansätzen sind hier durch die Verwendung von Klang als Element ihrer Arbeit miteinander verbunden. Und sie alle setzen Wiederverwertung als Technik ein: Raz Karaman macht einen Remake ihrer eigenen Aufnahmen; Niga Salam fühlt sich in das Konzept eines abwesenden Kunstwerks ein, das sich dem Thema «Erneuerung gegen Auslöschung» widmet; und Sarina Panahideh verwendet Tücher anderer Frauen als Requisiten für ihren Parforce-Tanz. Sie alle widersetzen sich dem Narrativ, das ihnen als Frauen zugeschrieben wird, und deuten es um. Dabei geht es nicht so sehr um Narrative, die von Männern oder Autoritäten vorgegeben werden, sondern vielmehr um menschliche Narrative. Das macht die persönliche Ebene dieser Werke aus. Jedes von ihnen ist ein intimes Zeugnis der Widerstandshandlungen ihrer Künstlerinnen. Niga Salam ÜBER DIE WERKE DER VIDEO LOUNGE «RETHREADING WEAVES» «Rethreading Weaves» (dt.: um- oder neu-weben) versammelt audiovisuelle Arbeiten von drei kurdischen Künstlerinnen, die das Zusammenspiel von Identität, Erinnerung und Kampf mit dem Thema «remake» parallelführen. Die Ausstellung geht der Frage nach, wie die Erfahrungen und die Geschichten von Frauen mithilfe zutiefst persönlicher Materialien dargestellt werden können, sei es durch Klang, Alltagsgegenstände, Stoffe oder das Gewebe der kulturellen Tradition. Die Künstlerinnen verwenden Materialien mit kultur- und geschlechtsspezifischer Bedeutung wieder und wieder. Auf diese Weise verweben sie persönliche und kollektive Erinnerungen mit Themen wie historischem Erbe, Konflikt und Selbstbehauptung. In Raz Karamans Animation «My Roots in Her Echoes» führt uns die Künstlerin auf eine intime Erkundungsreise ihrer Identität, auf der wir uns durch eine Klanglandschaft aus übereinandergeschichteten Aufnahmen ihrer Audio-Tagebücher bewegen. In diesen Tagebüchern hallt das Echo vergangener Erfahrungen und Erinnerungen wider. Damit werden sie zu einer Brücke zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart der Künstlerin und zeichnen die Wurzeln ihrer Identität nach. Die animierten Bilder und die sich überlagernden Klänge schaffen einen Raum, in dem Zeit und Selbstsein miteinander verwoben sind. Sie reflektieren, wie die persönliche Geschichte einen heute prägt. «Threading, weaves & re-» ist eine Arbeit von Niga Salam – der Kuratorin der Video Lounge. Was wir darin hören, ist das Reissen von Seilen, Schnüren und Fäden. Was wir sehen, ist jedoch, wie dasselbe Material wieder zusammengeknüpft wird. Die Arbeit befasst sich mit den Bedingungen des Frauseins und ersetzt das Werk einer anderen kurdischen Künstlerin, die ihre Teilnahme an dieser Ausstellung in letzter Minute aus persönlichen Gründen absagen musste. Es ist eine der Herausforderungen im Arbeitsprozess von kurdischen Künstlerinnen, konstanten Unwägbarkeiten begegnen zu müssen. In diesem Fall springt eine für die andere ein, um zu demonstrieren, was es bedeutet, als Frau in der Kunst zu wirken und zu produzieren. Was es bedeutet, Verbindungen, die ohne das eigene Wissen gekappt wurden, wieder herzustellen, in dem Versuch, einander zu erreichen, sich zu verbinden und zu erkunden, was es bedeutet, eine Frau zu sein. Die dritte Arbeit, «On My Way» von Sarina Panahideh, zeigt eine Performance, die sich über eine Collage von vier parallel laufenden Videos erstreckt. Sie zeigen die Künstlerin und eine andere Frau bei einem intensiven, rituellen Akt, in dem der Kopf der Künstlerin mit Seilen und Tüchern bedeckt wird. Das Ringen der Künstlerin um Luft, während sie sich gleichzeitig von den Seilen und Tüchern befreit, thematisiert die Spannung zwischen persönlicher Handlungsfähigkeit und äusseren Zwängen. Wenn die Künstlerin beginnt zu tanzen und die beengenden Schichten abwirft, werden ihre Handlungen zu einem Akt der Selbstbefreiung, der Rückeroberung ihres eigenen Körpers und ihrer Identität. Der Klang ihres Atems unterstreicht die unmittelbare körperliche Erfahrung von Widerstand und Freiheit. Die ausgestellten Werke fordern ihre Betrachtenden auf, sich bewusst zu machen, wie weibliche Identität durch Geschichte, Kultur und persönliche Erfahrungen geprägt wird. Sie heben die Widerstandskraft von Frauen hervor, die durch Kunst die «Materie» ihres Lebens zurückgewinnen und neu gestalten und sie in kraftvolle Ausdrucksformen von Identität und Widerstand verwandeln. Niga Salam |
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| Photo Credit | Sarina Panahideh |
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